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Reisebericht ├╝ber einen T├Ârn mit dem Plattbodenschiff ├╝bers Ijsselmeer und die friesischen Meere 2015

 

201508 NL Day6 98Sulis im Aussenhafen Medemblik201508 NL Day2 110

Mit der Sulis, einer Vissermanaak (L├Ąnge: 12,2 m, Breite 4,4 m, Tiefgang: 0,8 m; Gewicht ca. 12,5 t; Segelgesamtfl├Ąche: 80 m┬▓) ├╝ber die friesischen Seen und das Ijsselmeer.

Vom 17. bis 24. August 2015 sind meine Frau, ihre Cousine mit Familienanhang aus Frankreich und ich erstmals mit einem Plattbodenschiff unterwegs gewesen.
Au├čer mir hatte die ├╝brige Crew (3 Frauen, 2 M├Ąnner) keinerlei Erfahrung im Umgang mit einem Segelschiff.
Ich hatte im M├Ąrz 2015 mit meinem franz├Âsischen Cousin lediglich f├╝r ein Wochenende an einem Skippertraining auf einem gr├Â├čeren Plattbodenschiff der Chartergesellschaft Sailcharter Friesland (http://www.sailchartersneek.nl/deutsch/home.html) teilgenommen. Bei der Schiffs├╝bernahme haben wir dann noch ein 2-st├╝ndiges Man├Âvriertraining absolviert, um ein Gef├╝hl f├╝r das Boot zu bekommen.
Am Nachmittag der Schiffs├╝bernahme, der leider durch sehr regnerisches und windiges Wetter gepr├Ągt war, war erstmal ein grundlegendes Seemannschaftstraining angesagt.
Wir mussten uns mit dem auch f├╝r mich ungewohnten stehenden und laufenden Gut vertraut machen. Um die unerfahrene Mannschaft nicht zu ├╝berfordern, habe ich zu den seem├Ąnnischen Begriffen teilweise die umgangssprachlich gewohnteren Bezeichnungen verwendet. Am wichtigsten war zun├Ąchst, dass wir alle das sogenannte Leinenmanagement und das Verhalten beim An- und Ablegen ge├╝bt haben.
Ich hatte eine sehr gelehrige Crew. Es erwies sich sogar als Vorteil, dass keiner bisher Umgang mit einem Segelschiff hatte. Beim Skippertraining im M├Ąrz mit Teilnehmern, die schon jahrelange Erfahrungen mit Segelyachten vorweisen konnten, hatte sich gezeigt, dass viele gro├če Probleme hatten, sich auf das doch andere Verhalten eines Plattbodenschiffes einzustellen.
Insofern war meine Crew v├Âllig unvorbelastet und darauf angewiesen, dass ich ihnen die wichtigsten Handgriffe vor jedem Man├Âver vermitteln musste.
W├Ąhrend die Damen im wesentlichen Fender, Leinen, Schwerter l├Âsen und teilweise das Ruder bedient haben, waren die M├Ąnner mit dem Segelsetzen, Schwerter aufziehen und Festmachen beim Anlegen besch├Ąftigt.
Da die Sulis eine gro├če Plicht und ein sehr flaches Vorschiff ohne Reling besa├č, hatten wir festgelegt, dass sich die Damen w├Ąhrend der Fahrt ausschlie├člich im sicheren Plichtbereich aufhalten sollten. Die beiden m├Ąnnlichen Crewmitglieder, die zum Segelsetzen und ÔÇôbergen aufs Vorschiff mussten, hatten sich an einer Sorgleine, die wir zus├Ątzlich vom Bug zum Mast gespannt hatten, einzupicken. Da jeder weis, wie schwierig sich beim MOB die Bergung aus dem Wasser gestaltet, insbesondere bei einem Plattbodenschiff, war die oberste Maxime Alles zu tun, dass keiner ├╝ber Bord gehen konnte.

Unser Starthafen war Makkum. Die Planung f├╝r den ersten Tag (18. August) sah vor, dass wir ├╝ber die Kan├Ąle ins friesische Seengebiet fahren wollten, um das Verhalten des Bootes unter Motor und unter Segel besser einsch├Ątzen und trainieren zu k├Ânnen. Der Trainer vom Vortag hatte uns aber geraten, zun├Ąchst ├╝bers Ijsselmeer in Richtung Workum zu starten.
Wir also mutig raus Richtung Fahrwasser-Tonne VF 3 bei Wind SW mit St├Ąrke 4, in B├Âen 5 und 6 und dann S├╝dkurs auf die Fahrwassertrenn-Tonne H2W1 (Workumerfahrt bzw. Hindeloopen). Da der Wind mehr auf S├╝d drehte, h├Ątten wir stark aufkreuzen m├╝ssen, um unser Ziel zu erreichen. Zudem wurden die B├Âen immer heftiger und mein franz. Cousin Serge wurde langsam bleich im Gesicht.
Also Segel runter und unter Motor so schnell wie m├Âglich zur Workumer Einfahrt. Die 1,5 m hohen Wellen die schr├Ąg von vorn unters Boot durchliefen, haben meinem liebem Serge leider den Rest gegeben.
Aber die Damen haben ihn so gut es ging umsorgt, so dass Schlimmeres verh├╝tet werden konnte.
In Workum haben wir dann im Buitenhafen festgemacht und den Tag bei einem guten Abendessen im Restaurant de Guiden Leeuw in Ruhe ausklingen lassen.
Am n├Ąchsten Tag haben wir uns ├╝ber den Kanal zum Fl├╝ssener- und Heegermeer aufgemacht. Dort haben wir dann unser Boot bzgl. Handhabung der Segel unter allen Man├Âvern richtig kennengelernt und angefangen einiges zu optimieren.
Das Wetter wurde zunehmend sonniger bei Windst├Ąrken 2 bis 3 also sehr angenehm f├╝r die Mannschaft.
In Heeg gab es dann zur Mittagszeit den obligatorischen Kibbeling mit Pommes. Anschlie├čend ging es durchs Slotermeer und Abends haben wir dann vor Sloten am Ufer in N├Ąhe eines Campingplatzes den sch├Ânen Sommertag ausklingen lassen.
Donnerstag den 20. August sind wir durch die Prinses-Margriet-Sluis dann raus aufs Ijsselmeer. Bei SSW-Wind mit St├Ąrke 3 bis 4, sp├Ąter abflauend auf 2 sind wir raumschots bei herrlichem Sonnenwetter auf Enkhuizen zu gesteuert.
Hier haben wir einen wundersch├Ânen Liegeplatz im Compagnieshaven gefunden.
Den n├Ąchsten Tag haben wir bei SSW-Wind mit St├Ąrke 2-3, sp├Ąter abnehmend auf 1 bis 2 vor dem Wind unter vollem Tuch, d.h. mit zus├Ątzlich gesetztem Kl├╝ver, den Kurs auf Medemblik genommen.
Die Mannschaft war nun wirklich fit. Alle Segel- sowie die Anlegeman├Âver konnten ohne Hektik und im ersten Anlauf erfolgreich durchgef├╝hrt werden. Jeder kannte seine Aufgaben und das Selbstvertrauen wurde bei Allen sp├╝rbar gr├Â├čer. Alle konnten die Erfahrung machen, dass man selbst so ein schwergewichtiges Boot (12 to) mit feinf├╝hligen Ruderbewegungen sicher steuern konnte.
Bei unseren franz├Âsischen Crewmitgliedern kam daher auch der Wunsch auf, ob wir nicht am Samstag ├╝ber Den Oever einen Abstecher aufs Wattenmeer zu den Seehundsb├Ąnken machen k├Ânnten.
Die Nachfrage beim Hafenmeister ergab aber, dass die Wetterverh├Ąltnisse f├╝r die Waddenzee am Wochenende sich drastisch verschlechtern w├╝rden. Man rechnete mit Windst├Ąrken 6 bis 7.
Daraufhin haben wir unseren Plan ge├Ąndert und sind fr├╝h am Samstag Richtung Stavoren aufgebrochen. Bei SSO-Wind mit der St├Ąrke 2 bis 3 konnten wir mit halbem Wind am fr├╝hen Nachmittag, bevor der Wind deutlich auffrischte, im Buitenhaven von Stavoren festmachen. F├╝r Sonntagnachmittag wurde auch f├╝r das Ijsselmmeer Wind mit St├Ąrken 7 bis 8 aus zunehmend ├Âstlicher Richtung angesagt.
Da unsere Cousine sich noch am Sonntagabend zu einer Pferdepr├╝fung in den Harz aufmachen musste, hatten wir f├╝r die letzte Etappe unserer R├╝ckreise zum Ausgangshafen Makkum folgende Alternativen:
a) die lange und zeitraubende Strecke ├╝ber die Kan├Ąle und Friesenmeere, daf├╝r aber etwas weniger Windst├Ąrken oder
b) ├╝bers Ijsselmeer mit halbem Wind und zweifachem Reff in Gro├č und Focksegel, daf├╝r aber k├╝rzer, schneller und nat├╝rlich etwas heftiger.
Um zu entscheiden, welche Option die geeignetere w├Ąre, wurde von mir folgendes vorgeschlagen:
Sonntagfr├╝h loszufahren bis Hindeloopen, dort unseren Franzosen noch das reizvolle St├Ądtchen zeigen und dann beim letzten Kibbeling gegen Mittag zu entscheiden, ob wir die k├╝rzere Strecke ├╝bers Ijsselmeer oder doch lieber die etwas ruhigere daf├╝r aber zeitraubendere Strecke mit vielen Br├╝cken ├╝ber die Workumerfahrt nach Makkum nehmen.
Da Alle die Strecke von Stavoren nach Hindeloopen trotz starken Ostwindes mit 5 bis 6 bft gut ├╝berstanden hatten, entschlossen wir uns f├╝r die k├╝rzere Variante B.
Als wir gegen 14 Uhr den Hafen von Hindeloopen verlie├čen und auf die H1 zusteuerten, hatte der Wind schon deutlich zugenommen. Um Mannschaft und Schiff zu schonen haben wir dann nur die Fock gesetzt und sind mit Motorunterst├╝tzung im Abstand von ca. 1 bis 2 sm an der Ostk├╝ste Richtung Makkum hochgefahren. Das Setzen der Fock hatte den Vorteil, dass bei den spitzen Wellen das Schiff unter Motorbetrieb etwas ruhiger durchs Wasser glitt.
Gegen 17 Uhr konnten wir nach einer etwas st├╝rmischen aber sch├Ânen Restetappe, ohne Seekrankheiten und nur dem Verlust einer M├╝tze den Hafen von Makkum sicher anlaufen.
Der unerfahrenen Mannschaft gilt mein gro├čer Respekt, dass sie sich so gut auf dem einw├Âchigen T├Ârn mit einem Plattbodenschiff ├╝ber 102 sm geschlagen hat!
Da es Allen viel Spa├č und Freude bereitet hatte, waren wir uns schnell einig dar├╝ber, dass dies in nicht all zu ferner Zukunft einer Wiederholung bedarf

Ulrich M├╝ller